01.03.2011

GRENZERFAHRUNGEN: EIN INTERVIEW MIT REINHILD HOFFMANN, CHOREOGRAPHIN

Reinhild Hoffmann
Reinhild Hoffmann

Den März widmen wir Reinhild Hoffmann, einer Pionierin des modernen Tanztheaters. Als Choreografin und Tänzerin arbeitet sie unablässig in künstlerischen, innovativen Prozessen, deren Essenz Einblicke gewähren in das Besondere der tänzerisch-künstlerischen Ideenfindung. Aktuell liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit im Bereich Opern/Musiktheater. Ihr Fokus liegt auf dem Thema „Begrenzung“, die Kreativität hervorbringt.

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Zur Person

Reinhild Hoffmann gehört zu der Pioniergeneration des deutschen Tanztheaters. Ihre Ausbildung erhielt sie bei Kurt Jooss an der Folkwang Hochschule Essen. 1978 gründete sie am Bremer Theater ein eigenes Tanztheaterensemble. Die Stücke, die Reinhild Hoffmann am Bremer Theater (1978-1986) und am Schauspielhaus Bochum (1986-1995) erarbeitete, wurden auf vielen internationalen Gastspielen gezeigt und erhielten zahlreiche Auszeichnungen Seit 1995 arbeitet sie freischaffend als Choreographin, Tänzerin, und Regisseurin. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit hat sich auf die Regie im Musiktheater verlagert.

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Frau Hoffmann, kann man mit Tanz etwas ausdrücken, dass man auf keine andere Art und Weise ausdrücken kann?

Reinhild Hoffmann: Das Instrument ist der Körper, kein Körper gleicht einem anderen, die damit verbundene Unmittelbarkeit und Unverwechselbarkeit dieser Ausdrucksform ist das Besondere am Tanz.

Sie waren bis 1995 ausschließlich als Choreographin und Tänzerin beschäftigt. Woher kam nach dem Ende am Schauspielhaus Bochum der Wille etwas völlig neues zu beginnen?

Eine neue Herausforderung habe ich nie gescheut. Nach zwanzig Jahren Ensemblearbeit in der ich vorwiegend für 18 Tänzer eigene Stücke entwickelt habe und an ein Theater gebunden war habe ich eine Veränderung in meiner künstlerischen Arbeit gesucht.

Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit in Oper und Musiktheater von Ihren früheren Aufgaben?

Die musikalische Vorgabe bestimmt die Arbeit als Opernregisseurin. Der Freiraum für die Interpretation muss innerhalb der zeitlichen und thematischen Struktur gefunden werden. Wichtig ist das Ausloten von optischen und akustischen Vorgängen zu einer meist sehr komplexen Musik.

Sie reden im Rahmen eines Symposiums in Dortmund über "Grenzen und Kreativität". Viele würden die beiden Begriffe erst einmal als Gegensätze empfinden, was bedeuten diese Begriffe für Sie?

Eine selbst auferlegte Begrenzung, ein innehalten oder verweilen an einem Gegenstand bietet ungeahnte Möglichkeiten, schöpferisches Potential zu entfalten und dabei eine Welt zu entdecken.

Kreativität spielt auch im Rahmen des Symposiums „Kunst fördert Wirtschaft“, bei dem Sie Ende November sprechen werden, eine große Rolle. Was denken Sie, kann die Wirtschaft von der Kunst lernen, insbesondere vom Tanz?

Der Körper reagiert wie ein Seismograph, wenn man lernt ihn wahrzunehmen, werden Grenzen und überschreiten von Grenzen spürbar. Kunst ist ein Spiel mit Grenzerfahrung.

Dortmund, im November 2010

Fragesteller: [ID]factory / Sebastian Kommander

Zitat Reinhild Hoffmann
Zitat Reinhild Hoffmann